Entstehung meiner originalen Gemälde
Von der Idee bis zum fertigen Bild
Wie entstehen meine originalen Gemälde?
Manche Orte und Momente bleiben im Gedächtnis. Ein besonderes Licht, eine vertraute Straße, eine Landschaft zu einer bestimmten Jahreszeit – und manchmal der Wunsch, genau diese Stimmung festzuhalten.
Vielleicht bin ich als Künstlerin ein wenig voreingenommen, aber für mich gibt es kaum eine schönere Möglichkeit dafür, als ein Gemälde. Denn beim Malen halte ich nicht nur fest, wie ein Ort aussieht. Ich kann Farben verändern, Licht verstärken, Dinge weglassen oder hinzufügen, um bestimmte Stimmungen gezielt einzufangen, ohne das Motiv zu entfremden. So entsteht mit der Zeit etwas Eigenes.
Bis ein solches Original fertig an der Wand hängt, liegt allerdings ein ziemlich langer Weg vor ihm. Von der ersten Idee über Skizzen, Leinwand und viele Farbschichten bis hin zur Signatur und dem abschließenden Firnis durchläuft jedes meiner Gemälde verschiedene Stationen.
Ich werde immer wieder gefragt, wie so ein Bild eigentlich entsteht. Deshalb möchte ich dich hier einmal mitnehmen – von dem Moment, in dem mir ein Motiv zum ersten Mal begegnet, bis zum fertigen Original.
Alles beginnt mit einer Idee.
Ein Gemälde beginnt eigentlich lange vor dem ersten Pinselstrich. Manchmal ist es ein Licht, das an einer Hausecke plötzlich anders fällt als sonst. Manchmal eine besondere Stimmung, eine Erinnerung oder ein Ort, an dem ich immer wieder hängen bleibe. Viele dieser kleinen Beobachtungen verschwinden irgendwann wieder. Andere lassen mich nicht mehr los – und genau aus ihnen entstehen oft meine Motive.
Dann gehe ich los. Mit meiner Kamera im Gepäck durch die Aachener Altstadt, am Fischmarkt und dem Dom vorbei oder weit hinaus in die Eifel. Ich schaue genauer hin: Welche Farben bestimmen den Ort? Wo liegen Licht und Schatten? Was macht gerade diese Perspektive interessant? Was machen wir Menschen hier und welche Stimmung möchte ich später im Gemälde bewahren?
Dabei entstehen meist viele Referenzfotos, aus denen sich nach und nach eine Vorstellung vom späteren Bild entwickelt. Erst dann entscheide ich auch über Größe und Format. Denn eine verwinkelte Altstadtszene braucht vielleicht einen ganz anderen Bildausschnitt als eine Landschaft, deren Weite ein wichtiger Teil ihrer Wirkung ist.
Irgendwann steht das Motiv fest. Auf meiner Speicherkarte befinden sich die ersten Bausteine – das eigentliche Gemälde existiert zu diesem Zeitpunkt aber erst in meinem Kopf.
Bevor ich male, entsteht erstmal die Leinwand
Die meisten meiner Leinwände kaufe ich nicht fertig. In unserem kleinen Lager stehen Keilrahmenleisten in verschiedenen Längen und Stärken, aus denen ich genau das Format zusammenstellen kann, das ich mir für ein Gemälde vorgestellt habe. Mit einem Gummihammer werden die einzelnen Leisten zu einem zunächst noch leeren Keilrahmen zusammengesetzt.
Anschließend wird er von Hand bespannt – manchmal von Niklas, manchmal von mir. Als Malgrund verwende ich dabei reines Leinen. Das Material ist sehr reißfest, formstabil und langlebig und wird seit Jahrhunderten für die Ölmalerei verwendet. Vor allem aber kann ich das Gewebe passend zum späteren Bild auswählen: Für Motive mit vielen kleinen Details eignet sich gerne ein feineres Leinen, während eine gröbere Struktur bei anderen Bildern sichtbar bleiben und Teil ihrer Wirkung werden darf.
Nach dem Bespannen ist die Leinwand allerdings noch nicht bereit für die erste Farbe. Ich trage mehrere Schichten Gesso auf, meistens drei oder vier. Vor der letzten Schicht schleife ich die Oberfläche vorsichtig mit feinem Schleifpapier, bis sie die Beschaffenheit hat, auf der ich später malen möchte.
Erst jetzt ist aus ein paar Holzleisten und einem Stück Leinen meine Leinwand geworden. Noch ist darauf nichts vom späteren Motiv zu sehen – und trotzdem sind mit Format, Gewebe und Oberfläche bereits die ersten Entscheidungen für das fertige Gemälde gefallen.
Die Skizze – oder eigentlich drei
Während die frisch grundierte Leinwand trocknet, beginnt die eigentliche Planung des Bildes – manchmal passiert das auch schon viel früher.
Zuerst zeichne ich das Motiv auf Papier. Dabei geht es mir noch nicht um jedes kleine Detail, sondern vor allem um die Komposition: Wohin soll dein Blick später wandern? Wo liegen die hellsten und dunkelsten Stellen? Was rückt in den Vordergrund und wo darf das Bild ruhig werden?
Wenn sich diese erste Skizze stimmig anfühlt, übertrage ich das Motiv mit einem farbigen Stift grob auf die Leinwand. Das ist meine zweite Skizze – eine Art Gerüst, an dem ich mich während der nächsten Schritte orientieren kann.
Danach beginnt die Untermalung. Und obwohl jetzt zum ersten Mal der Pinsel zum Einsatz kommt, sieht das Bild noch ganz anders aus als später: Ich arbeite zunächst nur mit warmen Rotbrauntönen. Keine bunten Farben, sondern helle und dunkle Flächen, aus denen das Motiv langsam hervortritt.
In dieser Phase lege ich bereits wichtige Grundlagen für die spätere Wirkung des Gemäldes. Ich kann Kontraste überprüfen, Licht und Schatten genauer ausarbeiten und die räumliche Tiefe vorbereiten. Gleichzeitig bleibt der warme Grundton unter den späteren Farbschichten erhalten und kann an vielen Stellen noch durch sie hindurchwirken.
Das Bild ist jetzt immer noch fast einfarbig – aber seine spätere Lichtstimmung beginnt bereits sichtbar zu werden.
Und dann beginnt das eigentliche Malen
Nach meist einem weiteren Tag Trocknungszeit kommen endlich die Farben dazu. Meistens arbeite ich mit professionellen Ölfarben, manchmal aber auch mit Acryl, Gouache – je nachdem, was sich für das Gemälde besser eignet.
Dabei beginne ich erstaunlich grob, fast ein bisschen unscharf. Meist arbeite ich zuerst an den Bereichen, die räumlich weiter hinten liegen, und an den dunkleren Partien. Von dort taste ich mich Schicht für Schicht vor. Formen werden klarer, Farben differenzierter und erst mit der Zeit kommen immer feinere Details hinzu.
Dieser Teil des Malprozesses kann Wochen oder manchmal sogar Monate dauern. Dazwischen gibt es immer wieder Phasen, in denen ich kaum etwas am Bild verändere. Es steht dann halbfertig auf meiner Staffelei und ich schaue es mir im Vorbeigehen an, sitze eine Weile davor oder überlege, welcher Pinselstrich als Nächstes wirklich nötig ist. Diese Pausen gehören für mich genauso zum Malen wie die Zeit mit dem Pinsel in der Hand.
Manchmal steht das Gemälde dabei quer oder sogar kopfüber auf der Staffelei. Und nein – nicht, damit ich es von der Couch aus richtig herum betrachten kann. Wenn ich ein Motiv über Wochen immer wieder sehe, gewöhnt sich mein Auge irgendwann daran. Drehe ich das Bild, funktioniert das Vertraute plötzlich nicht mehr so gut: Ich sehe wieder stärker Formen, Farbflächen, Kontraste und Komposition und entdecke Stellen, die mir vorher vielleicht gar nicht mehr aufgefallen sind.
So hinterfrage ich das Bild während seiner Entstehung immer wieder. Manche Bereiche bleiben, andere werden übermalt, Farben verändern sich und Details kommen hinzu. Das Referenzfoto ist dabei längst nicht mehr die einzige Orientierung. Immer wichtiger wird die Frage, was das Gemälde selbst noch braucht.
Details, Licht und die letzten Pinselstriche
Ganz zum Schluss kommen die feinen Details und die letzten Lichtpunkte ins Bild – wobei „ganz zum Schluss“ nicht immer ganz stimmt. Einen festen Fahrplan habe ich beim Malen nämlich nicht. Manchmal möchte ich zwischendurch einfach schon sehen, wohin die Reise geht, und arbeite eine einzelne Stelle viel früher genauer aus.
Dann sieht das Gemälde eine Zeit lang ein bisschen so aus wie der Blick durch ein beschlagenes Fenster: Vieles ist noch weich und verschwommen, während an einer Stelle plötzlich alles klar wird.
Je weiter das Bild voranschreitet, desto mehr solcher Stellen kommen hinzu. Eine Spiegelung in einem Fenster, ein einzelnes Blatt, Licht auf nassem Pflaster oder die kleinen hellen Akzente, die am Ende oft nur aus wenigen Pinselstrichen bestehen. Gerade diese feinen Details brauchen viel Zeit und Geduld. Gleichzeitig sind sie für mich einer der schönsten Teile des Malprozesses.
Denn irgendwann passiert etwas, das sich nur schwer planen lässt: Das Bild beginnt zu leben. Licht fällt auf Oberflächen, einzelne Dinge treten hervor, andere bleiben im Hintergrund – und aus all den Farbschichten wird langsam ein Ort, an dem Gedanken spazieren können.
Besonders schön ist dieser Moment bei meinen Stadt- und Landschaftsbildern, wenn jemand davorsteht und plötzlich sagt: „Das kenne ich doch!“ oder „Da war ich schon mal.“ Dann ist aus einem Ort ein Gemälde geworden, in dem ein anderer Mensch etwas von seiner eigenen Erinnerung wiederfindet.
Und ja – darüber freue ich mich jedes mal.
Für jede Stelle der richtige Pinsel
Während all dieser Phasen wechseln auch meine Pinsel immer wieder. Aktuell arbeite ich besonders gerne mit feinen Synthetikfasern. Mein Lieblingspinsel ist schmal und vorne leicht angeschrägt – damit kann ich sehr präzise Kanten setzen und gerade die kleinen Details malen, die zum Schluss immer wichtiger werden.
Trotzdem hat fast jeder Pinsel in meinem Atelier irgendwann seinen Moment. Breitere Pinsel helfen mir bei den ersten großen Farbflächen, feinere übernehmen später Strukturen, Kanten und Lichtpunkte. Manche sehen inzwischen ziemlich mitgenommen aus und sind gerade deshalb für bestimmte Stellen besonders gut.
Wenn irgendwann wirklich alles sitzt, kommt einer der letzten Pinselstriche: meine Signatur. Sie ist klein, aber für mich jedes Mal ein besonderer Moment. Denn sobald mein Name auf dem Bild steht, weiß ich: Jetzt darf ich aufhören.
Zumindest fast. Denn bevor das Gemälde das Atelier verlassen kann, fehlt noch ein letzter Schritt.
Der abschlißende Firnis
Die Signatur ist gesetzt, der letzte Pinselstrich getan – und trotzdem kann ein Ölgemälde das Atelier noch lange nicht verlassen. Jetzt beginnt der Teil, den man beim Malen leicht unterschätzt: das Warten.
Denn Ölfarbe trocknet laaaangsam. Bei meinen Ölgemälden vergehen in der Regel mehrere Monate, bevor sie vollständig durchgetrocknet und bereit für ihren abschließenden Firnis sind. Bei Gouache- und Acrylbildern geht das zum Glück deutlich schneller.
Das Schöne daran: In dieser Zeit bleibt das fertige Gemälde noch bei uns im Atelier. Ich sehe es morgens und abends, bei Sonne und an grauen Tagen und immer wieder in einem anderen Licht. Nach all den Wochen auf der Staffelei darf es jetzt einfach an der Wand hängen – ausnahmsweise auch richtig herum.
Wenn die Zeit gekommen ist, bekommt das Gemälde seine letzte Schutzschicht. Der Firnis legt sich als transparenter Film über die Oberfläche, schützt die Farbschichten vor Staub und anderen äußeren Einflüssen und sorgt für ein gleichmäßigeres Erscheinungsbild. Für meine Bilder wähle ich gerne ein seidenmattes Finish, das die Farben noch einmal schön zur Geltung bringt, ohne dass die Oberfläche zu stark glänzt.
Und dann ist es tatsächlich so weit: Aus einer flüchtigen Beobachtung, einem besonderen Licht oder einer Idee ist ein fertiges Original geworden – bereit, das Atelier zu verlassen und seinen eigenen Platz zu finden.
Dann ist das Gemälde fertig!
Nach all diesen Schritten ist das Gemälde endlich fertig. Für fast jedes meiner Originale bauen wir anschließend noch einen passenden Schattenfugenrahmen – von Hand und eigens für dieses eine Bild.
Auch dabei gibt es erstaunlich viel zu entscheiden. Wie breit sollen die Leisten sein? Wie tief sitzt die Leinwand im Rahmen? Wie viel Abstand braucht das Bild? Die Proportionen sollen zum Format des Gemäldes passen und ihm an der Wand den richtigen Raum geben. Ein guter Rahmen soll das Bild für mich nicht in den Vordergrund drängen oder verändern, sondern ganz selbstverständlich mit ihm zusammengehören.
Und dann kommt der Moment, an den ich mich wahrscheinlich nie ganz gewöhnen werde: Das Bild verlässt das Atelier.
Nach Wochen oder Monaten kenne ich jede Ecke davon. Ich weiß, welche Stelle dreimal übermalt wurde, wo ich lange nicht weiterwusste und welcher winzige Pinselstrich am Ende plötzlich genau richtig war. Ein Original abzugeben fühlt sich deshalb jedes Mal ein bisschen seltsam an.
Gleichzeitig ist genau das einer der schönsten Gedanken an meiner Arbeit. Irgendwo bekommt dieses Bild einen neuen Platz. Vielleicht hängt ein Stück Aachen, Eschweiler oder Eifel irgendwann bei einem Menschen an der Wand, der diesen Ort selbst kennt, Erinnerungen mit ihm verbindet oder sich einfach gerne von ihm begleiten lässt.
Mit jedem verkauften Original stelle ich ein Echtheitszertifikat aus und lege eine kleine persönliche Nachricht dazu. Dann wird das Gemälde sorgfältig verpackt – und macht sich auf den Weg.
Wenn du nach dieser kleinen Reise durch meinen Malprozess neugierig geworden bist, kannst du dich gerne unter meinen aktuell verfügbaren Originalen umsehen.
Hast du Fragen zur Entstehung meiner Gemälde?
Ich freue mich auf deine Fragen.